Neues aus der Forschung: In diesem Jahr sind zwei spannende Arbeiten zum Thema "Tragen" erschienen. Ein großes Review hat 62 Studien zum Babytragen ausgewertet. Und in Kanada untersucht ein Forschungsteam gerade, ob die Gehirne von Mama und Baby beim Tragen in den Gleichtakt kommen.
Warum das so wichtig ist? Laut einer Entwicklungsforscherin aus Montreal verbringen Babys in vielen westlichen Ländern nur rund 18 % ihrer Zeit in direktem Körperkontakt mit ihren Bezugspersonen. In vielen anderen Kulturen werden Babys fast den ganzen Tag getragen. Die Forschung schaut deshalb immer genauer hin, was Nähe mit Babys und Eltern macht.
Auf einen Blick
- Neues Review (Juni 2026): Forschende der Durham University haben 62 Studien zum Babytragen ausgewertet.
- In einer der Studien stillten nach fünf Monaten doppelt so viele Mütter, die eine Trage bekommen hatten (48 % statt 24 %).
- Einzelne Studien zeigen weniger Weinen und eine sicherere Bindung. Viele Studien sind aber noch klein.
- Laufende Studie aus Montreal: Forschende messen, ob sich die Gehirnaktivität von Mama und Baby beim Tragen angleicht. Ergebnisse kommen 2027.
- Auch Papas profitieren: Nach drei Wochen Tragen reagierte ihr Gehirn stärker auf das Weinen ihres Babys.
Inhalt
Das große Trage-Review mit 62 Studien
Im Juni 2026 hat ein Forschungsteam der Durham University in Großbritannien die bisher umfassendste Übersicht zum Babytragen veröffentlicht. Erschienen ist sie im Fachjournal BMJ Paediatrics Open. Die Forschenden haben 62 Veröffentlichungen aus den Jahren 2000 bis 2024 ausgewertet. Ihr Fazit: Die Studien zeigen Vorteile für Babys und für Eltern.
Mit Trage stillten doppelt so viele Mütter
Besonders spannend ist eine Studie aus Italien mit 200 Müttern und ihren Babys. Die Hälfte der Mütter bekam nach der Geburt eine Babytrage. Nach zwei Monaten stillten in dieser Gruppe 72 % der Mütter, in der Gruppe ohne Trage waren es 51 %. Nach fünf Monaten war der Unterschied noch größer: 48 % gegenüber 24 %, also doppelt so viele.
Warum das so sein könnte? Wer sein Baby nah bei sich trägt, bemerkt frühe Hungerzeichen wie Schmatzen oder Suchen schneller. Dein Baby muss erst gar nicht laut weinen, um sich bemerkbar zu machen. Wie du in der Trage stillen kannst, liest du in unserem Beitrag Stillen in der Babytrage.
Weniger Weinen und eine sichere Bindung
Auch beim Weinen und bei der Bindung fanden die Forschenden Hinweise auf positive Effekte:
- Weinen: In zwei Studien weinten getragene Babys weniger.
- Bindung: In drei Studien mit jungen Müttern hatten die Babys aus der Trage-Gruppe häufiger eine sichere Bindung. Die Mütter gingen außerdem liebevoller auf ihr Baby ein.
- Mamas Wohlbefinden: In einer kleinen Studie fühlten sich Mütter mit Trage weniger ängstlich und sicherer im Umgang mit ihrem Baby.
96 % der befragten Mütter tragen
Gleichzeitig hat dasselbe Team 1.470 Mütter in Großbritannien befragt. 96 % von ihnen hatten schon einmal eine Babytrage oder ein Tragetuch benutzt. Die häufigsten Gründe: unterwegs beweglich sein, die Bindung stärken, das Baby beruhigen und die Hände frei haben. Klingt vertraut, oder?
💡 Wichtig zur Einordnung: Viele der ausgewerteten Studien sind klein, die meisten stammen aus Nordamerika. Die Forschenden wünschen sich deshalb größere Studien. Die Richtung ist aber klar: Tragen tut Babys und Eltern gut, wenn es sicher passiert.
Schlagen Mamas und Babys Gehirn im Gleichtakt?
Die zweite Neuigkeit ist eine Studie, die gerade läuft. Am Jewish General Hospital in Montreal untersucht ein Forschungsteam, gefördert von der Stiftung Brain Canada, was Tragen im Gehirn von Mama und Baby bewirkt.
So läuft die Studie ab
An der Studie nehmen Mütter teil, die in der Schwangerschaft unter Ängsten oder einer Depression gelitten haben. Ein Teil von ihnen bekommt nach der Geburt eine weiche, ergonomische Babytrage. Sechs Wochen lang tragen sie ihr Baby darin regelmäßig vor dem Bauch, Brust an Brust.
Das Besondere: Mama und Baby tragen bei den Hausbesuchen eine Art Kappe mit Lichtsensoren. Damit messen die Forschenden die Gehirnaktivität von beiden gleichzeitig. Sie wollen herausfinden, ob die Gehirne von Mama und Baby durch die viele Nähe stärker „im Gleichtakt“ arbeiten. Fachleute nennen das neuronale Synchronität.
Erste Eindrücke machen Mut
Die Ergebnisse werden erst 2027 erwartet. Die Forscherin hinter der Studie berichtet aber schon von ersten Eindrücken: Die Mütter fühlten sich durch das Tragen aufmerksamer und enger mit ihrem Baby verbunden. Viele haben nach dem Ende der Studie einfach weitergetragen.
Dass sich Mama und Baby aufeinander einstimmen, ist übrigens schon gut bekannt. Frühere Studien zeigen zum Beispiel, dass sich ihre Herzrhythmen in Momenten echter Verbindung angleichen. Mehr dazu liest du in unserem Beitrag zur Koregulation beim Baby.
Bonus: Was Tragen im Gehirn von Papas verändert
Im Review steckt noch eine Studie, die kaum jemand kennt. Forschende haben Väter drei Wochen lang ihr Baby tragen lassen. Eine zweite Gruppe von Vätern bekam stattdessen eine Babyschale. Danach haben sie im MRT gemessen, wie das Gehirn der Väter auf das Weinen eines Babys reagiert.
Das Ergebnis: Bei den Trage-Papas reagierte die Amygdala stärker auf das Weinen. Diese Hirnregion hilft uns, wichtige Signale schnell wahrzunehmen. Einfach gesagt: Tragen schärft auch bei Papas die Antennen für ihr Baby. Tragen ist eben nicht nur Mamasache, sondern für die ganze Familie ein Weg zu mehr Nähe.
Was (noch) nicht belegt ist
Zu einer ehrlichen Zusammenfassung gehört auch das: Im Internet liest man oft, dass Tragen das Gehirn von Babys schneller reifen lässt. Dafür haben die Forschenden aus Durham keine Studien gefunden. Auch dazu, wie lange am Stück Babys getragen werden sollten, gibt es bisher kaum Forschung.
Deutlich betont das Review dagegen die Sicherheit. Gerade bei Babys unter vier Monaten ist es wichtig, dass die Atemwege immer frei bleiben. Mit ein paar einfachen Regeln ist das ganz leicht:
- Eng am Körper: Die Trage sitzt straff, dein Baby sackt nicht nach vorn.
- Immer sichtbar: Du siehst das Gesicht deines Babys, wenn du nach unten schaust.
- In Kussnähe: Dein Baby sitzt so hoch, dass du seinen Kopf küssen kannst.
- Kinn weg von der Brust: Mindestens ein Finger breit Platz zwischen Kinn und Brust.
- Rücken gestützt: Der Rücken ist leicht gerundet und gut gehalten.
Ausführliche Tipps findest du auf unserer Seite zur richtigen Anwendung deiner Trage.
Was die neuen Studien für euren Alltag bedeuten
Die neuen Studien bestätigen, was viele Eltern jeden Tag spüren: Nähe beruhigt, verbindet und macht den Alltag leichter. Und sie zeigen, dass Tragen für Mamas, Papas und Babys gleichermaßen wertvoll ist.
- Früh starten: Gesunde, reif geborene Babys kannst du ab Geburt in einer passenden Trage tragen.
- Kleine Einheiten zählen: Schon kurze Tragezeiten im Alltag schenken deinem Baby viel Nähe.
- Alle dürfen tragen: Papa, Oma oder Opa – jede Tragezeit stärkt die Bindung.
- Sicher tragen: Eine gut eingestellte Trage ist die Grundlage für entspannte Tragezeit.
💡 Gib deinem Baby ein paar Minuten Zeit, um in der Trage anzukommen. Geh dabei gleichmäßig auf und ab – nicht langsam, sondern in einem stetigen Takt. Und lass dir die Trage einmal richtig einstellen. Dann wird das Tragen für euch beide schnell zum schönsten Moment des Tages.
Aus der Erfahrung mit über 250.000 ROOKIE-Familien wissen wir: Für viele Eltern wird die Trage zum ruhigsten Ort des Tages. Unsere ROOKIE Babytragen sind ergonomisch entwickelt, ab Geburt geeignet und in Sekunden angelegt – auch von Papa. Und zu jeder ROOKIE-Bestellung gehört eine kostenlose Trageberatung, damit ihr von Anfang an sicher und bequem tragt.
Häufige Fragen zu den neuen Studien zum Babytragen
Was zeigen die neuen Studien zum Babytragen?
Ein großes Review der Durham University hat 2026 insgesamt 62 Studien ausgewertet und Vorteile für Babys und Eltern gefunden. In einer Studie stillten nach fünf Monaten doppelt so viele Mütter mit Trage. Einzelne Studien zeigen außerdem weniger Weinen und eine sicherere Bindung. Viele Studien sind allerdings noch klein.
Stärkt Tragen die Bindung zum Baby?
Mehrere Studien deuten darauf hin. In Studien mit jungen Müttern hatten getragene Babys häufiger eine sichere Bindung, und die Mütter reagierten feinfühliger. Bei Vätern reagierte das Gehirn nach drei Wochen Tragen stärker auf das Weinen ihres Babys. Tragen schenkt viel Nähe – und Nähe ist die Grundlage von Bindung.
Hilft eine Babytrage beim Stillen?
In einer Studie aus Italien stillten Mütter mit Trage nach fünf Monaten doppelt so oft wie Mütter ohne Trage, nämlich 48 % gegenüber 24 %. Eine mögliche Erklärung: Wer sein Baby nah bei sich trägt, erkennt frühe Hungerzeichen schneller. Stillen in der Trage selbst braucht etwas Übung und eine gut eingestellte Trage.
Was ist neuronale Synchronität zwischen Mama und Baby?
Neuronale Synchronität bedeutet, dass die Gehirnaktivität von zwei Menschen ähnlich verläuft, wenn sie miteinander verbunden sind. Ein Forschungsteam in Montreal misst gerade, ob sich die Gehirne von Mama und Baby durch regelmäßiges Tragen stärker angleichen. Erste Eindrücke sind positiv, belastbare Ergebnisse werden 2027 erwartet.
Wie lange darf ich mein Baby am Tag tragen?
Eine feste Obergrenze gibt es nicht, und genau dazu fehlt laut dem Review noch Forschung. Wichtig ist, dass dein Baby sicher sitzt, die Atemwege frei sind und es regelmäßig Pausen zum Trinken und Wickeln bekommt. Achte auf die Signale deines Babys und auf deinen eigenen Rücken. Eine Trageberatung hilft beim richtigen Einstellen.
Fazit: Tragenews 2026 – die Forschung bestätigt, was Eltern spüren
Die neuen Studien zum Babytragen zeigen: Nähe wirkt. Das große Review aus Durham findet Vorteile beim Stillen, beim Weinen und bei der Bindung. Die laufende Studie aus Montreal schaut sogar ins Gehirn von Mama und Baby. Noch ist vieles in Arbeit, aber die Richtung ist klar. Trag dein Baby sicher, in Kussnähe und so oft es sich für euch gut anfühlt. Bei den nächsten Tragenews halten wir dich auf dem Laufenden.
🤎 Nähe ist kein Verwöhnen. Nähe ist das, was Babys brauchen.
Quellen
- Review: Safety and benefits of adult-worn slings and baby carriers, BMJ Paediatrics Open 2026
- Umfrage: Adult-worn sling and baby carrier safety, BMJ Paediatrics Open 2026
- Studienregister: Physical contact between mothers and infants, Montreal (NCT06726304)
- The Conversation: How babywearing helps establish parent-child bonds (Juli 2026)